Direktorenhinweis - Indien
Einmal am Flughafen Mumbai angekommen, lernen wir als niederländische Crew sofort die indische Kultur kennen. Wir werden von unserem örtlichen Produktionsassistenten herzlich empfangen, nachdem wir mit unserem Kamera-Equipment den Zoll passiert haben. Zwei Fahrer mit Vans fahren vor, in die wir einsteigen. Dies ist unser Transport für die kommenden Tage, in denen wir durch die Slums von Mumbai fahren werden. Wir werden an unserem Hotel abgesetzt und trinken noch ein Bier, bevor das Licht ausgeht.
Am nächsten Morgen beginnen wir mit der Erkundung der Slums, die von der Produktionsassistenz ausgesucht wurden. Die Slums von Mumbai sind bekannt für ihre Weitläufigkeit und Größe. In dem vielen bekannten Bollywood-Film Slumdog Millionaire kommen diese Slums häufig vor.
Bald erkennen wir, dass die Slums ein einzigartiger Ort sind, der eine gute Darstellung des echten Indiens bietet. Kein Tourist ist in Sicht, weshalb man das Gefühl hat, man wird in das tägliche Leben integriert, als wäre man ein Einheimischer.

Eindrucksvoll
Für uns organisierte Westler sind die Slums eine sehr beeindruckende und außergewöhnliche Schöpfung aus improvisierten Hütten. Überall Menschen, Abfall und organisierte Chaos. Von den abgenutzten Texturen der Materialien, die die Bevölkerung für ihre Unterkünfte verwendet, bis hin zu den grellbunten Kleidern, die insbesondere die Frauen tragen. Und nicht zu vergessen die vom Leben gezeichneten Gesichter der Bevölkerung.
Am Ende des Tages fahren wir weiter nach Bollywood, wo wir den Hauptdarsteller treffen und ins Tonstudio gehen, um Voice-Over-Aufnahmen zu machen. Nach etwas Coaching schaffen wir es, die Stimme des Hauptdarstellers auf ein Niveau zu bringen, sodass jedes Wort, das er sagt, die empfindliche Saite trifft. Seine Stimme passt perfekt zur Stimmung, die wir im Film erzeugen möchten.
Wenn ich während der Rückfahrt ins Hotel nach draußen schaue, kann ich nicht anders, als zu folgern, dass die Slums eine Kulisse sind, in der wir beeindruckende Situationen erleben werden, die zu besonderen und authentischen Filmaufnahmen führen werden.

Der Dreh
Direkt nach Sonnenaufgang um 8 Uhr beträgt das Thermometer bereits 36 Grad. Mit einer 15 Mann starken Crew bewegen wir uns wie Einheimische durch die brütende Hitze. Gassen, Plätze und Gänge werden durchquert, bis wir bei einem der Hunderte von Hochhäusern ankommen, die uns einen herrlichen Überblick über die Slums bieten. Hier wird erst deutlich, wie groß die Slums sind. Hier machen wir die Eröffnungsszene des Films.
Anschließend machen wir mit einer Drohne die spektakulärsten Umgebungsaufnahmen. Menschen, Tiere und Fahrzeuge wimmeln mühelos durch die Slums, als wäre es inszeniert. Wir filmen Frauen, die auf der Straße vor ihren Hütten Wäsche waschen, und Kinder, die lachend und spielend durch mit Müll gefüllte Gassen hüpfen. Für uns Westler ein erschreckender Anblick, aber für die Bevölkerung nichts anderes als die alltägliche Realität.
Wir kommen zu einem winzigen Zimmer, wo eine ältere Dame einer Klasse junger Kinder Untericht erteilt. Die meisten Kinder haben kein Geld, um zur Schule zu gehen, weshalb es Initiativen von der lokalen Bevölkerung gibt, um den Kleinsten aus der Gesellschaft Grundkenntnisse im Lesen und Schreiben beizubringen. Auch hier ist die Situation nicht so, wie wir es gewohnt sind. Es gibt kein Lehrmaterial, die Kinder sitzen auf einem schmutzigen Boden, und der Ort erinnert an ein altes Schuppen, das längst nicht mehr genutzt wird.

Nicht alles ist, wie es scheint
Das Schöne an all diesen scheinbar harten Umständen ist, dass die Bevölkerung sich bewusst ist, dass sie das Beste aus ihrer Situation machen müssen und sich so viel wie möglich mit dem beschäftigen, was möglich ist. Sie ergreifen jede Gelegenheit, um das Wachstum der Jugend zu fördern und ihnen zu helfen, sich in ihrem Leben weiterzuentwickeln. Wie schön wäre es, wenn es Einrichtungen gäbe, um dies für mehr Kinder zu ermöglichen?
In einem Land, das nicht deine Heimat ist, ist es von großer Bedeutung, Menschen in deinem Team zu haben, die sich dort auskennen und mit der lokalen Bevölkerung lesen und schreiben können. Unsere Crew leistet dabei hervorragende Arbeit. Alle haben viel Erfahrung, treffen die richtigen Entscheidungen und tragen zu einem erfolgreichen Ablauf des gesamten Drehprozesses bei. So weit wie möglich war alles sehr gut organisiert.
Allerdings wäre Indien nicht Indien, wenn nicht alles anders läuft, als gedacht oder geplant. Orte, an denen uns den Zugang im letzten Moment verweigert wird, bis hin zu Menschen, die in dem Film eine Rolle spielen und plötzlich unauffindbar sind. All das sind Herausforderungen, die wir vor Ort gelöst haben, indem wir schlau und kreativ waren. Das Schöne an all diesen Unberechenbarkeiten ist, dass wir so das echte Leben in den Slums perfekt in Bildern einfangen konnten. Just the ordinary way of life in Mumbai. Diese Atmosphäre hat einen Einfluss auf dich und die Bilder, die wir aufgenommen haben.

Sportende Kinder als Filmstar
Die letzte Kulisse des Films ist ein Kunstrasenplatz mitten in Mumbai, wo wir mit etwa 70 begeisterten Kindern verschiedene Sportarten gespielt haben. Drei Gruppen von Kindern, die mit ihren Trainern und Eltern voller Enthusiasmus ein Hockey-, Fußball- und Cricketspiel spielten.
Es war 40 Grad, ohne Schatten und ohne einen Hauch von Wind. Kein Wunder, dass dieser Tag einer der heftigsten Filmtage war, die wir erlebt haben. Es war absolut lohnenswert, die aufgenommenen Bilder sind wunderschön geworden. Besonders die Begeisterung der sportenden Kinder war fantastisch zu sehen. Alle hatten an diesem Tag ein wenig das Gefühl, Filmstars zu sein.
Es ist ein Schnitt! Die Dreharbeiten sind zu Ende. Wir haben alles ausgewertet und kehrten mehr als zufrieden nach Nederland zurück. Ein Dreh, den wir nie vergessen werden und der uns um eine Erfahrung reicher gemacht hat.

Und dann kommt alles zusammen
Bei unserer Rückkehr begannen wir damit, das gesamte gefilmte Material zu sichten und auszuwerten. Der Editor startete dann mit dem Schnitt der ersten Montage. Dabei wurde uns schnell klar, dass alle Puzzlestücke noch besser zusammenpassen würden, als wir erwartet hatten. Die unerwarteten Situationen, die sich in Mumbai ergeben haben, sorgten für Dynamik im Film, die das echte Leben in den Slums wunderschön zeigt.
Anschließend begann der Audio-Komponist mit all seiner Kreativität an der großen Herausforderung. Eine Herausforderung, die darin besteht, ein Musikstück zu komponieren, in dem sowohl westliche als auch indische Musik zu einer authentischen Komposition verschmelzen, die berührt und bewegt. Eine Sängerin sorgte für die wunderschöne Gesangslinie, die der Musik einen menschlichen Touch und einen besonderen Charakter verleiht. Dadurch kommt der Audio noch besser bei dir an.
Die Kombination aus der Voice-Over und dem besonderen Audio lässt dich verstehen, wie wichtig es ist, dass der Entwicklung der Menschen, die es so dringend benötigen, Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Als letzter Schritt im Prozess wird nach dem Abschluss der Montage in Bild und Ton die Farbe jedes Shots aufeinander abgestimmt, die Farbkorrektur. Im ersten Teil des Films zeigen wir die Situation, wie sie ist. Eine Situation, die nicht immer rosig ist, aber in der auch an die Möglichkeiten und Talente der Jugendlichen gedacht wird. In diesem Teil sind die Farben warm und echt, aber noch nicht sehr strahlend.
Dies ändert sich, wenn die Möglichkeiten, die im ersten Teil sichtbar werden, aufgezeigt werden. Sportende Kinder werden bunt dargestellt, wodurch das Ganze lebendig wird und die Energie und Freude der Kinder aus dem Bild strahlt.
Letztendlich fügt sich alles zu einem Ganzen zusammen, in dem wir die Kinder genießen und spielen sehen. Anschließend kehren wir zurück zum Hauptdarsteller, der sagt, dass wir den Unterschied machen können, solange wir die Hände zusammenlegen. Sein Traum von einer besseren Zukunft.